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2026 Tom Henkel

reality, by algorithm. – Eine audiovisuelle Installation über die strukturellen Wirkungen algorithmischer Systeme

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Algorithmische Empfehlungssysteme prägen, welche Inhalte in digitalen Umgebungen sichtbar werden und wie Aufmerksamkeit, Diskurse und kulturelle Ausdrucksformen organisiert sind. Ihre Funktionsweisen bleiben für Nutzer:innen oft undurchsichtig, obwohl sie Wahrnehmung und Kommunikationspraktiken spürbar strukturieren.

Die audiovisuelle Installation untersucht diese strukturellen Effekte und übersetzt sie in eine räumliche Erfahrung. Sie verzichtet dabei bewusst auf Didaktik: Algorithmische Logiken werden nicht erklärt, sondern als sinnliche, räumlich-atmosphärische und zeitlich sequenzierte Erfahrung inszeniert.

Die Arbeit entfaltet sich in fünf dramaturgisch aufeinander abgestimmten Akten und organisiert Wahrnehmung als zeitlich sequenzierte Erfahrung: von den Mechanismen algorithmischer Selektion über die Normalisierung kultureller Muster und Algorithmen als infrastrukturelle Machtstrukturen bis hin zu digitalen Sprachökologien und der Frage nach Orientierung und Handlungsmacht.

Text fungiert als zentrales Gestaltungsmaterial der Arbeit. Digitale Öffentlichkeiten sind in hohem Maße über Text organisiert, und algorithmische Systeme operieren primär durch das Verarbeiten, Gewichten und Strukturieren textueller Inhalte. Text wird damit zur Schnittstelle zwischen kulturellem Ausdruck und technischer Logik. Als Bedeutungsträger und zugleich formbares typografisches Material wird er verdichtet, verschoben und fragmentiert. Auf diese Weise werden algorithmische Dynamiken in ihrer strukturellen Logik formal inszeniert.

Ein mehrschichtiges Gestell bildet die räumliche Struktur der Installation. Projektionen auf semitransparente Flächen erzeugen Überlagerungen und Verschiebungen, die algorithmische Prozesse des Filterns und der Transformation in eine visuelle Struktur übersetzen.

Audio rahmt die visuellen Zustände affektiv und körperlich. Die Musik, komponiert von Lorenz Schauler, intensiviert die emotionalen Qualitäten der einzelnen Akte und macht ihre zeitliche Entwicklung wahrnehmbar. Unterschiedliche Klangatmosphären rufen intuitive Zustände von Ordnung, Dichte, Irritation oder Überforderung hervor und verstärken so die dramaturgische Struktur der Installation.

Als künstlerische Auseinandersetzung mit algorithmischen Systemen eröffnet die Arbeit einen Erfahrungsraum, in dem strukturelle Effekte wahrnehmbar werden und Bedeutung sich durch individuelle Erfahrung entfalten kann.

Studiengang

Interaktive Medien (BA)

Betreuung

Prof. Andreas Muxel, Prof. Daniel Rothaug